Vorträge und Ergebnisse der Arbeitsgruppen

AG 1 - Frühkindliche Bildung

Thema
Mit dem Thema „Material zur aktiven BNE-Bildung und deren Einsatz in Kindertagesstätten“ setzte sich die AG das Ziel, praxisnah und anschaulich Möglichkeiten der Partizipation in der frühkindlichen Bildung anhand konkreter Beispiele kennen zu lernen, aber auch potentielle Hindernisse und Grenzen auszuloten.

Ablauf
Impuls: „Partizipation in der Frühkindlichen Bildung – Notwendigkeit und Chance zugleich“, Ralf Thielebein-Pohl, GF der S.O.F. Save Our Future – Umweltstiftung Hamburg

Praxisbeispiele aus MV:

  1. Auf den Spuren der Zukunft“, Kerstin Gluschke, Gesellschaft für solidarische Entwicklungszusammenarbeit (GSE) MV e.V.
  2. Haus der kleinen Forscher“, Antje Baier, Referentin für Kita-Netzwerke der Stiftung
  3. Materialkisten für Kitas“, Sabine Langner, Umweltbüro Nord e.V. , Stralsund

Um die Diskussion anzuregen, wurden vor den Vorträgen und Diskussionen drei Thesen formuliert. Die Antworten zeigen das breit gefächerte Meinungsbild der Beteiligten. Auszugsweise werden hier zu jeder These drei Sichtweisen veröffentlicht:

1) Für welche Entscheidungen / Prozesse sind Kinder unverzichtbare „Experten“? 

  • Sie sind Experten für Ihre Angelegenheiten, für sich selbst und ihre eigenen Gefühle und die Sicht ihrer Welt.
  • Kinder müssen die Themen von Bildungsprojekten selber wählen dürfen. Fällt ihre Wahl z. B. auf das Thema „Piraten“, dann ist diese Entscheidung legitim, das Thema kann auf BNE-Aspekte hin zugeschnitten werden.
  • Kinder sind mit der Selbstbestimmung von Themen überfordert. Daher ist es richtig, aus dem vorhandenen Angebot von Bildungsprojekten eine Vorauswahl zu treffen und ihnen ggf. diese zur Entscheidung zu stellen.

2) In Anspielung auf den derzeitigen Bestseller von Dr. Michael Winterhoff: Macht Partizipation kleine Tyrannen?

  • Nein, denn mit Partizipation in der frühkindlichen Bildung sind Freiräume gemeint, die ein selbstbestimmtes und entdeckendes Lernen ermöglichen.
  • Nein, aber sie ist eine Gradwanderung, denn Regeln und Normen und auch Orientierung durch erwachsene Bezugspersonen müssen sein.
  • Nein, aber Partizipation ist eine Herausforderung an uns Erwachsene, in wie weit wir uns auf Kinder einlassen können.

3) Lässt der institutionelle Rahmen „Kita“ Partizipation überhaupt zu bzw. wo sind finanzielle oder auch personelle Grenzen?

  • Die personelle Situation in Kitas ist angespannt, es gibt unterschiedliche Betreuungsschlüssel (z. B. in MV 1:18, in Niedersachsen 1:11). Daher sind Angebote und Projekte willkommen, die den ErzieherInnen umfangreiche Aufbereitungen von Themen ersparen und die Vorbereitungen erleichtern.
  • Kitas brauchen die Unterstützung von Eltern und externen Partnern, um den Kindern eine Vielfalt von Themen und Anregungen bieten zu können.
  • Die Erzieherinnen brauchen Unterstützung und Fortbildungen, um BNE in ihren Einrichtungen zu etablieren.

Ausblick
Die Bildung für Nachhaltige Entwicklung muss künftig in den Rahmenplänen für die Frühkindliche Bildung verankert werden. Eine konkrete Forderung an die NUN: Kitas soll der Zugang zu außerschulischen Anbietern erleichtert werden. Erforderlich sind zum einem die bessere Vernetzung von Anbietern und Interessenten und zum anderen die Bekanntmachung vorhandener Bildungsangebote. Bremen ist dafür ein gutes Beispiel: Von der Behörde werden BNE-Anbieter den Kitas empfohlen. 

AG 2 - Schuliche Bildung

Thema
Die Bandbreite beim Klimaschutz an Schulen in Norddeutschland ist groß: Klimakisten und multimedial aufbereitetes Unterrichtsmaterial, bundesweite Kampagnen wie die „Klimadetektive“, Klimaschutzpläne für Schulen oder die Arbeit mit Portfolios in der Schule. Auf der NUN-Konferenz arbeitete die AG an der „Entwicklung eines Leitfadens zum Thema Energie und Klima in der Schule - Potentiale nutzen durch Partizipation“.

Ablauf
Impulsreferate

  1. Klimakiste(n) und Unterrichtsmaterial, Ulrike Eder, Infostelle Klimagerechtigkeit, Nordelbisches Zentrum für Weltmission und Kirchlichen Weltdienst (NMZ)
  2. Portfolio zum Thema Energie und Klima in der Schule, Uwe Leinigen, Verbundene Regionale Schule und Gymnasium, Tisa von der Schulenburg" Dorf Mecklenburg
  3. Klimadetektive, Alexander von Humboldt Gymnasium Hamburg, vier Schüler durch ihre Lehrer Yvonne de Nardo und Armin Kunz
  4. Klimaschutzplan für Schulen, Clemens Kruehler, Lehrerinstitut Hamburg

Ergebnisse
Ausgehend von den Impulsen suchten vier Teilgruppen Antworten auf die Frage: Was sollte man zu den Punkten Unterricht, Schulstruktur, außerschulische Aktivitäten und  Möglichkeiten zur Begleitung der Schulen unternehmen, um an Schulen dauerhaft das Thema Energie und Klima zu unterstützen? Die folgenden Stichpunkte fassen Wichtiges zusammen.

Unterricht

  • dem Ziel von BNE gerecht werden, Eigenverantwortung der Schüler stärken, Kompetenz der Selbst- und Fremdeinschätzung entwickeln
  • praktisches Handeln mit Wissen verbinden, Kooperationspartner in den Regelunterricht einbinden
  • Energie und Klimathemen im gesamten Unterricht (CO2-Analysen in vielen Fächern)
  • verbindliche Absprachen bei Projekten mit außerschulischen Anbietern,  Vor- und Nachbebereitung der Schüler gewährleisten 

Schulstruktur

  • Partizipation ermöglichen, Schulcurricula zu Energie und Klima gemeinsam entwerfen
  • Orte der Wertschätzung organisieren; Homepage, Litfasssäule 
  • Verantwortlichkeiten festlegen (Gruppen, Personen) und Unterstützersysteme schaffen
  • Nachhaltigkeits-Audits mit regelmäßigen Treffen, kleine Schritte planen

Außerschulische Aktivitäten

  • Vernetzung auf Schüler- und Schulebene organisieren und begleiten
  • kommunale Themen bearbeiten und Öffentlichkeitsarbeit über Schule
  • Zusammenarbeit mit außerschulischen Akteueren
  • Öffnung für offene Ganztagsschule; Kontakte „bereitstellen“

Begleitung von Schulen   

  • Lehrer und Schüler ermutigen, Coaching zum „Umgang mit Widerständen“
  • offenere Rahmenpläne
  • Fortbildungen für das Personal an der Schule (auch Hausmeister) 
  • lokales Unterstützungsnetzwerk zur Kommune/Schulträger
AG 3 - Berufliche Bildung

Thema
Energie- und Ressourceneffizienz in der Berufsbildung lautete das Thema der Arbeitsgruppe Berufliche Bildung. Die 16 TeilnehmerInnen befassten sich mit Fragen der Vermittlung von zukünftig benötigten Kompetenzen angehender Facharbeiter.

Ablauf
Exemplarisch wurden Ergebnisse aus Förderprojekten sowie Modellvorhaben zur Qualifizierung für energieeffizientes Bauen und den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen dargestellt.

Impulsreferate

  1. Problemlage und Fragestellungen an die Arbeitsgruppe, BGZ Berliner Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit mbH (PPT, 414 KB) 
  2. Umweltgerechtes Bauen mit Kompetenz, 2. Teil der Präsentation (PPT, 5,5 MB)
  3. Qualifizierung für nachwachsende Rohstoffe, Regionales Bildungszentrum für Nachhaltigkeit – REBINA, Eine Einrichtung des Naturschutzverbandes Aktion Fischotterschutz e.V., Hans-Günter Bock (PDF, 288 KB)

Großes Interesse zeigten die TeilnehmerInnen vor allem an innovativen Bereichen wie Erneuerbare Energien, Energie- und Ressourceneffizienz und Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Im Mittelpunkt  der Diskussion standen drei zentrale Fragen: Wie lässt sich der Qualifizierungsbedarf ermitteln, welche Kompetenzen werden gebraucht und welche Instrumente stehen für die Kompetenzermittlung zur Verfügung?

Ausblick
Zu dem o. a. Thema soll am 5. Februar 2010 eine Halbtagesveranstaltung mit Fachreferenten durchgeführt werden. Darüber hinaus wurde vereinbart, die Ergebnisse aus innovativen Projekten zu Energieeffizienz und nachwachsenden Rohstoffen für Berufsbildungseinrichtungen besser verfügbar zu machen. Dazu kann eine Dokumentation dienen, aber auch die Präsentation von Projekten auf der 4. NUN-Konferenz in Niedersachsen im Jahr 2011.

AG 5 - Zertifizierung in der außerschulischen Bildung

Thema:
Qualität vermarkten – ein Ziel der gemeinsamen BNE-Zertifizierung in den NUN-Ländern. Die 48 Teilnehmenden befassten sich mit dem Thema „Marketing von (Bildungs-)Qualität“. Im Mit-telpunkt stand dabei die Frage, inwieweit eine Zertifizierung von BNE durch die NUN-Länder für außerschulische Bildungseinrichtungen positive Auswirkungen haben kann.

Ablauf
Lothar Gröschel stellte in seinem Vortrag „Bedeutung von Qualität und Marketing – auch in der außerschulischen Bildung“ wichtige Grundlagen vor. Anschließend informierte die NUN-AG „Qualitätsentwicklung und Zertifizierung“ über ihre Arbeit und stellte den aktuellen Stand der Diskussion in den einzelnen NUN-Ländern dar. Zertifizierte aus Schleswig-Holstein berichteten anschließend über ihre positiven, wenn auch nicht immer einfachen Erfahrungen aus dem Zerti-fizierungsprozess. Das Zertifizierungssystem dort kann inzwischen auf 5 Jahren positiver Er-fahrungen und guter Zusammenarbeit zwischen NGOs und den Ministerien für Umwelt und für Bildung zurückblicken.
Die Teilnehmenden diskutierten angeregt und durchaus kontrovers die geplante Einführung des Zertifizierungssystems in den NUN-Ländern. Sie forderten die Einbeziehung der NGOs sowie die Bereitschaft der Ministerien, ihre Verantwortung wahrzunehmen und einen Beteiligungs-prozess zu starten. Weitere Diskussionspunkte waren Fragen zum weiteren Vorgehen sowie inhaltliche und finanzielle Fragen.
Die von der NUN-AG 5 vorgelegte Resolution zur geplanten Qualitätsentwicklung und Zerti-fizierung in den NUN-Ländern wurde ausführlich und intensiv diskutiert. Das abschließende Meinungsbild ergab eine Zustimmung von rund 2/3 aller Anwesenden, aber eben auch (noch) Skepsis und Abwehr.

  1. Bedeutung von Qualität & Marketing – auch in der außerschulischen Bildung, Lothar Gröschel, Gröschel-Geheeb_Responsible Branding GmbH, Berlin
    Vortrag NUN-Qualität (PDF, 459 KB)
  2. Vorstellung der Kriterien der gemeinsamen BNE-Zertifizierung
    Jörg Utermöhlen, Mitglied der NUN-AG 5
    Aktueller Stand der NUN-Länder bzgl. einer BNE-Zertifizierung (PPT, 368 KB)

Ausblick
In den Ländern Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Bremen muss noch ein intensiver Dialog zwischen NGOs und Verwaltung geführt werden, bis das NUN-Zertifizierungssystem dort – gegebenenfalls mit länderspezifischen Regelungen - umgesetzt werden kann. Schleswig-Holstein wird ab 2010 die NUN-Kriterien zu Grunde legen.
Alle Interessierten können sich an ihre Länder-AnsprechpartnerInnen wenden und sich an der endgültigen Formulierung der Resolution noch beteiligen. Die NUN-AG „Qualitäts-Entwicklung und Zertifizierung für außerschulische Bildungseinrichtungen und Anbieter im Rahmen von BNE“ freut sich aber auch über weitere Aktive, die sich für eine norddeutsche Qualitätsent-wicklung in der BNE einsetzen wollen.

Schweriner Erklärung zur Außerschulischen Bildung für nachhaltige Entwicklung (PDF, 58 KB)

Ihre Meinung zur Schweriner Erklärung ist uns wichtig. Bitte wenden Sie sich bis zum 30. November 2009 an die AnsprechpartnerInnen der Länder aus der NUN-AG Zertifizierung:
Mecklenburg-Vorpommern: Ulrike Seemann-Katz, Tel. 03863-22 21 43, E-Mail: seemann-katz@t-online.de
Hamburg: Jürgen Forkel-Schubert, Tel. 040-42840-2135, E-mail: Juergen.forkel-schubert@bsu.hamburg.de
Niedersachsen: Jörg Utermöhlen, Tel. 04131-15-2784, E-mail: joerg.utermoehlen@LSchB.LG.niedersachsen.de
Schleswig-Holstein: Dr. Brigitte Varchmin, Tel. 0431- 988-7326  
E-Mail: brigitte.varchmin@mlur.landh.de
Bremen, Dr. Jürgen Ritterhoff, Tel.  0421-70 70 106, E-mail: ritterhoff@bremer-umweltberatung.de

AG 6 - Internationale Weiterbildung - Vom Süden lernen

Thema
Partizipation in der internationalen Weiterbildung – Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Nord-Süd-Kooperation

Ablauf
I. Teil: Vorstellung von fünf BNE-Projekten aus internationalen Kooperationen aus dem Blickwinkel "vom Süden lernen":  Was - Wer - Wie? und Partizipation

1. Lernen im Süden und Norden
UNESCO Institut für Lebenslanges Lernen (UIL): Regional and National Reports zur Förderung der Teilnahme an Erwachsenenbildung - wie sieht es mit Partizipation in organisierten Lernprozessen für Erwachsene sowohl in den sog. Entwicklungs- und Schwellenländern als auch in den Industrieländern allgemein aus? Welche Erkenntnisse liefern die Länder- und Regionalberichte für die 6. Internationale Konferenz über Erwachsenenbildung (CONFINTEA VI)?

Präsentation und Vortrag von Werner Mauch, UIL

2. Im Norden vom Süden lernen
Migration und Entwicklung
Einleitung durch Ali Fathi (Eine-Welt-Netzwerk Hamburg, Koordinierungsstelle zur entwicklungspolitischen Arbeit für migrantisch-diasporische Organisationen in Hamburg, Projekt MOVE Global - MigrantInnen Orientieren, Vernetzen und Empowern)
Vorstellung Projekt Kiel CREARtiv (www.crear-in-kiel.de) durch Kati Luzie Stüdemann - Schulprojekt, bei dem über die Kunst Begegnung von Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Kulturen und sozialen Schichten stattfindet. Vorbild sind die Methoden der argentinischen Stiftung "Crear vale la pena", die Kindern und Jugendlichen aus den Slums von Buenos Aires durch künstlerisches Arbeiten neue Perspektiven bietet.
Anschließend Diskussion mit Sabine Haft (Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein, Ehrenamtliche Mitarbeiterin des BEI, Pädagogin), Ali Fathi und Katie Stüdemann zu drei Fragen

3. Mit dem Süden lernen
Das AfriCAN-Projekt von AIESEC (größte internationale Studentenorganisation) - AfriCAN fördert die ganzheitliche Auseinandersetzung mit der afrikanischen Kultur durch Praktikantenaustausch und Afrika-bezogene Veranstaltungen
Vorgestellt von Sonja Moissidis (AIESEC), Linda Kunz (deutsche Returnee von Nigeria) und Evens Mutai (Incomer aus Kenia) und anschließendes Gespräch

4. Vom Süden lernen
Rückkehrer/innen aus dem Weltwärts-Programm des BMZ berichten von ihrem Einsatz in Tansania. Wie können Rückkehrer/innen in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit in Deutschland sinnvoll tätig werden?

Im Süden vom Süden lernen
Teilnehmerinnen aus Tansania berichten von ihrem Einsatz im Freiwilligen ökologischen Jahr (FöJ) in Schleswig-Holstein. Diskussion zu einem "Reverse-Programm" als Möglichkeit des "Lernens vom Süden".

Im Norden vom Süden lernen
Präsentation und Diskussion: Wolfgang Grätz (Senatskanzlei Hamburg/ Referat Entwicklungspolitik), Anna Hoppenau und Johannes Hahn (Weltwärts-Rückkehrer der Deutsch-Tansanischen Partnerschaft, Hamburg), Sophia Gwantwa Mwakaliku und Muzdat Alhaji Juma (Tansanierinnen im FöJ in Lübeck und Preetz)

5. Der Süden lernt im Norden
Gespräch zwischen InWEnt-Mitarbeiter/innen und ausländischen BMZ-Stipendiat/innen über Partizipation der Teilnehmenden in einem ILT (International Leadership Training)-Programm

Präsentation ILT: Renate Mengler (Produktmanagement International Leadership Training, Abt. 1.01 Programmkoordination),
anschließend Gespräch zwischen Ole Erdmann (Abt. 4.05 Nachhaltige Technologie, Industrie- und Stadtentwicklung), Riana Nur Rochimawati (Teilnehmerin des ILT Industrielle Biotechnologie aus Indonesien), Yixiang Du (Teilnehmer des ILT Krankenhausmanagement), Renate Mengler, Angela Zur (InWEnt Regionales Zentrum Hannover) und Kai-Oliver Farr (InWEnt Regionales Zentrum Hamburg

Fragen an die Projekte (PDF, 24 KB)

II. Teil: Thementische mit allen AG-Teilnehmenden zum Thema Partizipation in entwicklungspolitischen Bildungsprojekten
Diskussion der vorgestellten und der eigenen Projektarbeit zu den Fragen:

-    Wie kann ich in meinem Projekt die Teilnahme fördern?
-    Wie kann ich durch meine Bildungsarbeit die gesellschaftliche Teilhabe fördern?

III. Teil: Ideensammlung

Moderation: Sonja Moissidis, Linda Kunz und Kai-Oliver Farr

Ansprechpartner: Kai-Oliver Farr, InWEnt gGmbH Regionales Zentrum Hamburg, Poststr. 51, 20354 Hamburg; kai-oliver.farr@inwent.org; Tel.: 040/ 180 47 24 52

AG 7 – UNESCO-Biosphärenreservate als Modellregionen nachhaltiger Entwicklung

Thema:
Die AG gründete sich anlässlich des Internationalen Jahres der Biosphärenreservate (BR), erstmals tagte sie auf der NUN-Konferenz in Schwerin. Der Bezug von Biosphärenreservaten zu BNE ergibt sich aus dem Bildungsauftrag des UNESCO-Forschungsprogramms „Man and Biosphere“ von 1970. Demnach sollen BR weltweit Modellregionen und Lernlaboratorien für eine nachhaltige Entwicklung sein. Die neue AG setzte sich für die NUN-Konferenz das Ziel, den Erfahrungsaustausch zwischen den sieben BR in Norddeutschland anzuregen und erste Schritte für die länderübergreifende Arbeit zu entwickeln.

Ablauf:
Impulsreferate
1) „Modellprojekt NaviNatur - Umweltbildungszentrum SCHUBZ in Lüneburg",
Frank Corleis, Leiter des SCHUBZ Lüneburg
In einer Kooperation von der Verwaltung des BR Niedersächsische Elbtalaue, dem SchulUmweltBildungsZentrum Lüneburg (SchUBZ) und vier Gymnasien aus drei  Bundesländern (MV, SH, NI) erstellen Schüler der Sekundarstufe II mithilfe von GPS-Geräten wurden Bildungsrouten durch das o. a. BR entwickelt. An sog. Attraktionspunkten (POI = Point of Interests) werden Themen nachhaltiger Regionalentwicklung behandelt.

2) „Klimaschutzerhebung und Klimaanpassungsstrategien im Biosphärenreservat Schaalsee als Beispiel einer Bildung für nachhaltige Entwicklung“,
Rainer Mönke, Amt für das BR Schaalsee
In einer Kooperation aus Verwaltung für das BR Schaalsee und der Firma Umweltplan Stralsund ent-stand eine Studie, mit der an Hand von nationalen und internationalen Untersuchungen zum Klimawandel regionale Klimaszenarien für die Biosphärenregion am Schaalsee simulieren lassen. Für die großen Landnutzungsbereiche Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Fischerei wurden Anpassungsstrategien entwickelt, die ein erfolgreiches nachhaltiges Wirtschaften unter veränderten Klimabedingungen ermöglichen. Um diese Anpassungsstrategien möglichst schnell in der Landnutzung umsetzen zu können, sollen Landnutzer in ausgewählten Demonstrationsbetrieben geschult werden. Das Projekt ist Teil der Bundesinitiative „Klima regional im Griff“.

3) „Bildung für nachhaltige Entwicklung in europäischen Großschutzgebieten - Möglichkeiten und Grenzen von Bildungskonzepten“,
Dr. Marion Leng, Interfakultäre Koordinationsstelle für allgemeine Ökologie an der Universität Bern
Die Dissertation von Marion Leng behandelt die Forschungs- und Evaluierungsebene von BNE. Für ihre Arbeit evaluierte sie eine Reihe von Großschutzgebieten. Auch wenn es sich bei den unter-suchten Biosphärenreservaten nicht um Schutzgebiete im NUN-Aktionsraum handelte, waren die Ergebnisse doch übertragbar und boten einen Einblick, wie wenig der Gedanke Bildung für nachhaltige Entwicklung in Schutzgebieten derzeit verankert ist bzw. wie schwierig es ist, konkrete BNE-Bildungsangebote zu entwickeln.

Fazit und Ausblick
Der Aspekt der Biosphärenreservate als Modellregionen für BNE ist weitgehend unterrepräsentiert. In der Diskussion ergab die Frage, welche Voraussetzungen BR für eine gelungene Beteiligungskultur brauchen, ein differenziertes Bild: von länderübergreifenden Kompetenzen und Förderinstrumenten über die regionale Vernetzung von Verwaltung mit Wirtschaft, Kultur, Medien und anderen Bildungsträgern bis hin zu mehr Gestaltungsräumen für interessierte Bürger. Das Projekt im BR Schaalsee ist ein gutes Beispiel für informelle BNE mit der Zielgruppe Erwachsene. Der von Marion Leng entwickelte Ansatz zur Überprüfung der Bildungsarbeit anhand von Kriterien einer BNE bietet eine theoretische fundierte Basis für die künftige BNE-Arbeit in Großschutzgebieten.
Welche Voraussetzungen braucht die AG Biosphärenreservate, um zukünftig dauerhaft kooperieren zu können? Die 15 Teilnehmer aus Praxis, Forschung und Verwaltung diskutierten dies an Hand von drei Leitfragen. Auszugsweise werden hier je Frage drei Antworten dargestellt:

1) Welche konkreten Partizipationsformen eignen sich für die Bildungsarbeit in Biosphärenreservaten?

  • intensive Bürgerbeteiligung durch Regionale Agenden und basisdemokratische Entwicklungskonzepte
  • Jugendparlamente
  • hohe Wertschätzung der Arbeit von Vereinen und Verbänden als potentielle Kommunikationspartner

2) Welche Voraussetzungen brauchen Biosphärenreservate für eine gelungene Beteiligungskultur?

  • Länder- und schutzgebietsübergreifende Kompetenzen und Förderinstrumente
  • gute regionale Vernetzung zu Wirtschaft, Kultur, Politik, Medien, Bildungsstrategien
  • Gestaltungsräume in den BR für interessierte Bürger

3) Welche Best-Practise-Kriterien eignen sich für die Bildungsarbeit in Biosphärenreservaten?

  •  kontinuierliche Evaluation von Projekten
  • personelle und finanzielle Kontinuität
  • inhaltliche Kontinuität (aufeinander aufbauende Bildungsmodule) einschließlich Weiterbildung der Bildungsbeauftragten

Literaturtipps
- Entdecke die Zukunft – UNESCO-Biosphärenreservate in Deutschland, Zeitbild Verlag und Agentur für Kommunikation GmbH, Berlin, 2007
- Marion Leng: Bildung für nachhaltige Entwicklung in europäischen Großschutzgebieten, Möglichkeiten und Grenzen von Bildungskonzepten, Dr. Kovac Fachverlag für wissenschaftliche Literatur, 2009